Die Sage von der Brigitti-Hex

Vor langer, langer Zeit war da mal ein Hirtenbüble, welches das Vieh vom Matthislehof hütete. Als er wieder einmal oben auf der Matte, nahe dem Giersbergwald beim Hüten war und kurz vor dem Heimtrieg der letzte Abendschein auf den Bergen lag, da raschelte es im nahen Hag und ein uraltes Weiblein auf einem Krückstock gestützt huschte aus dem Dickicht. Dem Büblein kam dieses Weiblein recht „besonders“ vor. Es kannte es nicht und es konnte doch alle Leute vom Tal und den umliegenden Höhen mit Namen nennen, schon vom Sonntag in der Dorfkirche her und von den großen Markttagen davor. Das Weiblein trug auch eine alte Tracht, wie sie keiner mehr im Dorf und im Tal oder in den einzelnen einsam verstreuten liegenden Gehöften an den Berhängen trug.       Es bückte sich da und dort, als ob es etwas Verlorengegangenes suchen wollte oder schob mit seinem Krückstock lose Steine zur Seite. Als es dann bald wieder verschwunden war und das Vieh unruhig wurde und sich zum Heimgang zusammendränkte, führte das Büblein es zum Hof hinab und hatte auch bald die seltsame Erscheinung vergessen.

Da ihn aber immer wieder das sonderbare Weiblein zur Abendzeit beim ersten Schrei des Waldkauzes auf einem bestimmten Weg begegnete und nach kurzer Zeit spurlos verschwand, wurde es dem sonst recht kecken Bueb doch etwas gruselig zumute und unten im Hof berichtete er dem Bauer, was er gesehen hatte und erlauscht hatte. der kratzte sich am Kopf, räusperte sich und meinte „Du ich rate dir wohl, lass dieses Weiblein in Ruhe, sie tut dir nichts und du sollst ihr auch nichts tun“. Wann dann der Bub von da ab das Weible dann und wann erblickte, verhielt er sich ruhig und ließ es ungeschoren seines Weges gehen, es war ihm aber auch, wie gesagt, immer gruselig bei der Sache.

Jahre waren vergangen. Das Hirtenbüble ist ein großer, starker Bursch geworden und ein tüchtiger Metzgergeselle obendrein. Da kam er wieder mal in die Heimat, das Dreisamtal, zurück. Er umging es auch nicht, den inzwischen altgewordenen Matthislebauer in seinem Hof in Höfen aufzusuchen.

„Was ist bloß aus dem besonderen Weib geworden? Läuft es noch den gleichen Weg wie früher?“

So fragte er den Alten, als sie gegen Abend bei einem Vesper mit Most und Räucherspeck saßen.  Dazu meint er: „Wie wird halt immer noch umher gehen müssen bis sie alles gebüßt hat, was sie Böses getan hat.“ Bald, als es vom Höllental her schon kühl geweht hat, ist der Bursche aufgebrochen. Er ist aber nicht dem Dorf Kirchzarten zugegangen, sondern, weil es ein schöner Sommerabend war, hat er seinen Weg zum Mättle hinauf nach dem Giersbergwald genommen, Im Wald war es schon dämmrig und der Abendwind rauschte leise in den dunklen Tannenwipflen.     Da – der Schrei eines Waldkauzes brachte ihm die Erinnerung an das besondere Weib seiner Hüterbubenjahr wieder.

„He, du da, du Kruckeli, bist du noch da?“, rief er keck „Komm jetzt nochmal, jetzt grusel ich mich nicht mehr, jetzt nehme ich es mit dir auf!“ Kaum gerufen, fuhr ein kalter Windstoß daher und das geruenen Weiblein stand hart vor ihm. Dem aber war vor Schrecken Hören und Sehen vergangen.

Erst am anderen Morgen früh, als es Betzeit läutete, fand er sich beim letzten Glockenschlag wieder beieinander, doch er lag unten in der „Brigitti“ mit dein Beinen im Sumpf, dort wo einst das uralte Wasserschloßß „Buckerütti“ stand und jetzt noch das Hofgut Birkenreute zu sehen ist. Zum Matthislebauer ist er dann niht mehr gegangen und wenn er mein Abenteuer mit dem gespenstigen Wieble nicht einmal im alten Gasthof „Zum Rindsfuß“ jetzt „Fortuna“ bei einem Viertele zum Besten gegeben hätte, wüssten wir von dieser Begebenheit nichts.

Ob das Weiblein heute noch geistern muss, weiß ich nicht. Doch das ist sicher, in den Köpfen der Kirchzartener spuckt es immer noch, denn alljährlich nach der Fasnet wird „Brigitti-Hex“ als Strohpuppe zur Gaudi von allen verbrannt und man sollte es nicht glauben, die „Hexe“, ihre Gefolgschaft, sind eine ehrbare Fasnetzunft geworden.

 

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